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Jahreswechsel im Frauenhaus

Das alte Jahr geht zu Ende, ein neues beginnt: Oft auch Zeit zurückzuschauen. So auch im Frauenhaus Mistelbach.

Die Bewohnerinnen des Frauenhaus Mistelbach lassen uns teilhaben an ihren Gedanken und Gefühlen zum neuen Jahr.

Zeit ist Kostbar. Und vergeht sehr schnell; wie man sie verbringt, ist das Entscheidende. Wenn ich auf mein Jahr zurückblicke, hatte da die gesamte Gefühlspalette Platz. Als ich Anfang des Jahres mit meinen beiden kleinen Kindern ins Frauenhaus flüchtete, war da blankes Entsetzen und pure Angst – vor meinem eigenen Ehemann, und zu was er fähig war. Es ist ein schlimmes Gefühl, wenn einem die Angst in den Knochen sitzt, man wie gelähmt ist und dabei noch zwei Kinder schützen und versorgen muss. Rückblickend bin ich aber auch erstaunt, wie sich meine Situation nach wenigen Wochen verbesserte, meine Kinder und ich wieder durchschlafen konnten und wieder Vertrauen in die Welt und ihre Mitmenschen fanden. Auf einmal war da wieder Hoffnung auf ein besseres Leben, ein Leben ohne Schläge und Demütigungen, und eines Tages war ich auf einmal wieder fähig, mir Gedanken über unsere Zukunft zu machen. Und aus den Gedanken wurden Taten. Ich dachte nicht, dass nach all der Gewalt noch so viel Kraft und Mut in mit steckten. Aber ich habe sie hier im Frauenhaus wiedergefunden! Karin (35), 2 Kinder

Wenn ich das vergangene Jahr mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es: LERNEN. Ich musste lernen zu akzeptieren, dass ich meinen Mann und Vater meiner Kinder nicht ändern konnte; dass es nicht meine Schuld war, dass er mich schlug und an den Haaren zog, mich anbrüllte und demütigte. Ich musste lernen zu verzeihen, nämlich mir selbst. Ich machte mir solche Vorwürfe: Warum habe ich vor 14 Jahren diesen Mann geheiratet? Warum musste mein Kind das miterleben und so aufwachsen, warum bin ich so lange geblieben? Ich musste wieder lernen, Vertrauen zu setzen: in mich selbst, in das Leben. Veronika (42), 1 Kind

Gut, dass man an einen Zufluchtsort kommen kann, wo man ernst genommen wird, wo einem zugehört wird. Ich bin dankbar, dass es diesen Ort für mich und meine Kinder gegeben hat, das Frauenhaus – sonst gäbe es mich wahrscheinlich nicht mehr. Vesna (49), 3 Kinder

Ich habe nicht geglaubt, dass es noch ein anderes Leben für mich gibt. Mein Mann hat mir immer gesagt, dass ich ohne in nichts bin, ohne Ausbildung, ohne Einkommen, ohne alles, und dass niemand mich braucht. Die Polizei hat mich ins Frauenhaus gebracht, nachdem mein Mann mich über die Stiegen hinunter gestoßen hat. Frauenhaus, und das in meinem Alter! Ich habe mich so geniert, mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen. Aber alle im Haus haben viel Verständnis gehabt. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass e so ein Frauenhaus gibt. Jetzt habe ich eine kleine Wohnung und es geht mir sehr gut und ich weiß, dass ich ein wertvoller Mensch bin und das Recht habe zu leben! Tamar (62)

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