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Selbstverständnis & Leitbild

Kolping Österreich ist ein Verband von Menschen, die sich engagieren wollen. Inspiriert vom christlichen Menschenbild, setzen wir uns für die Schwächeren in unserer Gesellschaft ein, die – zumindest für eine Zeitlang – solidarische „Hilfe zur Selbstentwicklung“ benötigen.

Unser Verband wurde im 19. Jahrhundert von Adolph Kolping gegründet als generationsübergreifende Weg-, Bildungs- und Aktionsgemeinschaft. Er ist in der Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche Jesu Christi beheimatet und leistet eigenständig und eigenverantwortlich seinen Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft nach den Richtlinien der biblischen Botschaft und der Soziallehre der Kirche; aus diesen Quellen erhalten die Kolping-Mitglieder Hilfe und Inspiration bei ihrem persönlichen Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.

Bekannt sind vor allem die „Kolpinghäuser“, in denen Lehrlinge, Schüler und Studenten Wohn- und Begegnungsmöglichkeiten finden können. Dieser „Zielgruppe“ galt schon das Wirken des Gründers des Kolpingwerkes, des Kölner Priesters und Sozialreformers Adolph Kolping (1813-1865). Als junger Mann hatte er eine Schuhmacherlehre absolviert und kannte das Elend der Gesellen zu Zeiten der Industriellen Revolution aus eigener Erfahrung. Später, als Priester, bereiste Adolph Kolping das damalige Europa, um in den größeren Städten katholische Gesellenvereine zu gründen. Für Österreich legte er 1852 in Innsbruck, Salzburg, Steyr, Linz und Wien jene Grundsteine, auf denen sich sein Werk entwickeln und ausbreiten konnte.

Leben ist Veränderung – nach diesem Grundsatz hat der Kolpingverband in den letzten Jahrzehnten neue Akzente gesetzt und neben den traditionellen Kolpinghäusern moderne Sozialeinrichtungen geschaffen, wo beispielsweise allein erziehende Mütter, ältere und pflegebedürftige Menschen, geistig und mehrfach behinderte Menschen, Drogenkranke, von Gewalt betroffene Frauen oder Jugendliche in Krisensituationen Beratung, Hilfe und Unterkunft erhalten.

Kolping Österreich ist Mitglied des Internationalen Kolpingwerkes, das heute in 61 Ländern der Erde mit rund 400.000 Mitgliedern vertreten ist. Der Verband gliedert sich in örtliche Gruppen/Vereine, den so genannten Kolpingsfamilien. Sie wiederum sind in Diözesanverbänden zusammengefasst. Zurzeit gibt es weltweit etwa 7.300 Kolpingsfamilien.

Leitbild

Das Leitbild von Kolping Österreich wurde in einem Dialogprozess, an dem Ehren- und Hauptamtliche gleichermaßen beteiligt waren, erarbeitet und von der Bundeskonferenz am 19. Oktober 2002 verabschiedet.

Die vier Säulen der Kolping-Arbeit

Die große Vielfalt der Kolpingarbeit lässt sich auf eine Grundhaltung unserer Mitglieder zurückführen, die seit mehr als 150 Jahren auf dem Prüfstand der gesellschaftlichen Entwicklung steht; diese Grundhaltung ist geprägt von der Überzeugung, dass das Lebensglück des Menschen auf vier Pfeilern ruht: Familie, Arbeit, Gesellschaft und Religion. Diese Werte sind heute so aktuell wie vor 150 Jahren, auch wenn sich manche Akzente verschoben haben.

Familie

Die Familie hat in allen Generationen einen ungebrochen hohen Stellenwert. Auch wir betrachten Ehe und Familie als Grundlage zur Entfaltung des Menschen und in der Folge für die Entwicklung einer menschenwürdigen Gesellschaft. Doch Familien nach dem Muster Vater, Mutter, Kind sind selten geworden, und so wird Familie heute in sehr unterschiedlichen Formen gelebt: Ein-Eltern-Familien, geschiedene und teilweise wieder verheiratete Eltern mit Kindern, Familien in Armutssituationen oder am Rand der Gesellschaft … diese Konstellationen bedürfen unserer besonderen Aufmerksamkeit; gleichzeitig bieten sich die Kolpingsfamilien als Orte an, wo Familien und ihre Mitglieder Stütze und Halt erfahren, wenn die Leistungsfähigkeit der eigenen Familie überfordert ist.

Arbeit

In der Arbeitswelt hat sich viel geändert. Einerseits ist Arbeit, das Tätig-Sein eine wichtige Grundlage für das Wohlbefinden und den Wohlstand des Menschen geblieben, doch ist heute viel mehr Flexibilität nötig als früher; manche fallen heraus aus dem Arbeitsprozess, andere – vor allem junge, wenig ausgebildete Leute – finden gar nicht hinein. Das ist auch der Grund, warum wir in unseren Kolpinghäusern nicht mehr wir früher nur SchülerInnen, StudentInnen und Lehrlinge begleiten und betreuen, sondern auch Schulabbrecher und Berufsaussteiger sowie Arbeitslose in speziellen Projekten.

Gesellschaft

Viele träumen von einer „besseren Welt“, wir bei Kolping setzen uns aktiv dafür ein. Dabei sind uns Werte wie Gerechtigkeit, Solidarität, Gemeinschaft der Generationen und Sensibilität im Umgang mit Menschen anderer Kultur und Religion wichtig. „Wir können viel, wenn wir nachhaltig wollen“: Getreu diesem Spruch unseres Gründers setzen wir uns dafür ein, dass Menschen ihr Leben eigenständig gestalten können und sehen unsere Arbeit als Beitrag zur Lösung der sozialen Fragen unserer Zeit.

Religion

Religion ist für uns bei Kolping kein theoretisches Konstrukt, kein Wissen im Kopf und kein „alter Hut“, sondern jene geistige Wurzel, aus der wir die Kraft für die Gestaltung unsers Lebens und unserer Gesellschaft schöpfen. „Auf dem Glauben ruht das Leben“, sagt unser Gründer; zwar ist Kolping ein „praktischer“ Verband, bei dem das Handeln im Vordergrund steht, doch ist diese Praxis von christlichen Grundwerten geprägt: Solidarität, Wertschätzung des „Nächsten“, Achtung vor dem Leben, um nur einige zu nennen. Daraus folgt auch, dass unsere Häuser und Einrichtungen allen Menschen offenstehen, unabhängig von Religion, Herkunft und Nationalität.

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