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Statement Christine Leopold

Handfeste Hilfe

Kolping-Präsidentin Christine Leopold appelliert in ihrem Eröffnungsstatment an alle Kolpingsfamilien, sich in das weltweite Kolping-Netzwerk einzuknüpfen.


Liebe Freunde,

ich heiße euch herzlich willkommen zu diesem Bildungstag. Wie die meisten von euch wissen, feiert das Internationale Kolpingwerk heuer 50 Jahre internationale Entwicklungszusammenarbeit. Denn vor 50 Jahren hat das damals - noch im Wesentlichen aus nur europäischen Ländern bestehende Kolpingwerk - beschlossen, sich über die Grenzen unseres Kontinents hinauszuwagen und professionelle Entwicklungszusammenarbeit zu beginnen. Und Österreich hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt. Denn in Salzburg war der Bundesverband Gastgeber für diese internationale Versammlung, bei der diese entscheidenden Beschlüsse gefallen sind. Doch Österreich war nicht nur Gastgeber, sondern gleich von Beginn an Partnerland für Brasilien, mit dessen Kolpingleuten viele Projekte verwirklicht wurden und die Verbindungen noch heute bestehen.

Und so ist in diesen 50 Jahren eine beachtliche weltweite Größe Kolpings und eine Vielfalt an Tätigkeitsfeldern entstanden, die das Schicksal vieler einzelner Menschen zum Besseren gewendet hat. Und das ist auch das Ziel, das uns von Adolph Kolping in die Wiege gelegt wurde: Ihm ging es immer um das Schicksal des Einzelnen, um dessen Veränderung, um dessen Lebensverbesserung.

Wir befinden uns, global gesehen, in einer Situation, in der Grenzen immer mehr verschwimmen, wenn nicht gar verschwinden. Es wächst vieles zusammen und die Menschheit begreift sich immer mehr als Einheit. Das zeigt sich besonders jetzt in der Diskussion um den Klimawandel. Das hat wiederum viele Vorteile, - wir können leicht über die Grenzen hinweg kommunizieren und reisen. Aber auch die Nachteile sind unübersehbar: das grenzenlose Wirtschaftswachstum, das zur grenzenlosen Ausbeutung der Natur führt, immer verflochtenere Wirtschaft- und Geldflüsse. Die zu einer Komplexität und Unübersichtlichkeit führen, dass der Einzelne das Gefühl hat, seine Hilfe ist nur mehr ein Tropfen auf dem heißen Stein. Man hilft und hilft und das über Jahrzehnte und es wird, wenn man die Bilder der Notleidenden sieht, kaum besser. Immer noch gibt es so viel Armut, Hunger und Not. Die Flüchtlingsbewegung aus Afrika zeigt es uns derzeit sehr deutlich. Wie kann es uns daher gelingen, motiviert und engagiert zu bleiben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren? Markus Demele wird heute und morgen mit uns einige Antworten entwickeln.

Im Zuge der Vorbereitung habe ich ein interessantes Buch aufgeschlagen, indem ein schwedischer Wissenschaftler hierzu einen Anstoß gibt. Ihm ist aufgefallen, dass sich besonders in der westlichen Welt, die alten Annahme, Denk- und Sprachweisen über die Kluft zwischen Arm und Reich hartnäckig halten. Obwohl sich bereits vieles verändert und verbessert hat. Die Mehrheit der Menschen hat heute die bitterste Armut überwunden. Zu Adolph Kolpings Zeiten lag die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit noch bei 30 Jahren, heute 200 Jahre später liegt diese bei 70. Das soll uns natürlich nicht dazu bringen, uns zurückzulehnen und nichts mehr zu tun. Sondern es soll uns Mut machen und motivieren, mit beizutragen zur weiteren Verbesserung der Lebenssituationen.

Und wir können das. Denn Kolpingleute haben das Selbstverständnis, Menschen etwas Konkretes für ihre Lebensgestaltung anzubieten. An dem Ort, wo sie leben. Die unmittelbare und handfeste Hilfe, das ist es, was von Kolping erwartet wird und was wir auch gut können.

Und wenn Papst Franziskus sagt, wir müssen einen Beitrag leisten in der globalen Anstrengung, eine bessere, fairere und nachhaltigere Welt zu schaffen, dann kann ich nur sagen, Kolping Österreich stellt sich dieser Aufgabe - sehr bewusst in den beiden Jahren seit der Bildungskonferenz 2017 in Innsbruck, wo wir uns zu einer Selbstverpflichtung entschlossen haben, zu einem „compromiso“, wie es Bischof Erwin Kräutler ausgedrückt hat.

Ein wichtiger Weg, die globalen Nachhaltigkeitsziele zu verwirklichen, das haben wir damals schon gesehen, ist das Pflegen weltweiter Partnerschaften, die gegenseitige Befruchtung und Kooperation über die Grenzen der Länder und Kontinente hinweg im Bewusstsein, dass wir gemeinsam einfach mehr erreichen können.

Im österreichischen Kolpingverband gibt es viel Engagement in der Einen-Welt-Arbeit bis heute, aber auch einen gewissen Mangel an Koordination. Es geschieht eine Menge an Gutem, aber manchmal hat man den Eindruck: Jeder macht irgendetwas, mit irgendwem oder auch gar nichts.

Mit diesem heutigen Tag möchten wir uns wieder stärker in die gemeinsame Arbeit des internationalen Kolpingwerkes einbetten und auch aufzeigen, welche Chancen genützt werden können, die nur ein internationaler Verband, wie Kolping, bietet. Denn Kolping International macht ja nicht nur Projekte, sondern ist besonders bemüht um den Verbandsaufbau in den verschiedenen Ländern. Dass die Begünstigten auch Kolpingmitglieder werden.

Gleichzeitig möchten wir erreichen, dass sich alle Kolpingsfamilien künftig in irgendeiner Weise in die Eine Welt-Arbeit einknüpfen und die Chance neu erkennen, die darin auch für die Vereinsarbeit liegt. In den letzten Jahren hat sich auch ein neues Verständnis für Partnerschaftsarbeit im internationalen Kolpingwerk herausgebildet, das weggeht vom klassischen Verständnis „wir Reiche sammeln Geld und schicken es an die Armen“ hin zu Partnerschaften auf Augenhöhe, zu gegenseitigem Kennenlernen, zu langfristiger gemeinsamer Projektplanung. Der Generalsekretär wird uns das alles näherbringen.

So wünsche ich uns einen erfolgreichen Tag und viele fruchtbringende Gedanken und Aktionen!

 

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