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Eben doch nicht das letzte Wort …

Gedanken von Bundespräses Gerald Gump für eine – trotz allem – gesegnete Osterzeit

Gedanken von Bundespräses Gerald Gump für eine – trotz allem – gesegnete Osterzeit

In seinen „Leichenreden“ schreibt der vor drei Jahren verstorbene Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti:

„das könnte manchen herren so passen
wenn mit dem tode alles beglichen
die herrschaft der herren
die knechtschaft der knechte
bestätigt wäre für immer

das könnte manchen herren so passen
wenn sie in ewigkeit
herren blieben im teuren privatgrab
und ihre knechte
knechte in billigen reihengräbern ...“

Wir erleben gerade eine herausfordernde Krise –erleben Einschränkungen und Reduktion. Es kann ganz schön weh tun, allein zu Hause zu sitzen, anstatt im Familienkreis Ostern zu feiern. Es ist schwierig auszuhalten, wochenlang Menschen nicht umarmen zu können, von nahen Freunden über Angehörige bis zu den Enkelkindern; und doch: Wir können reichlich einkaufen, Wasser strömt scheinbar unbegrenzt aus der Wasserleitung, Spitäler stehen zur Verfügung, Politik und Sicherheitsabläufe funktionieren –bei all der Krise können die meisten von uns die Einschränkungen doch auf sehr hohem Grund-Niveau durchleben.

Aber: Manchen wird die Krise die wirtschaftliche Existenz kosten, manche werden sterben –nicht alles wird uns unbeschadet lassen.

Diese unsere Herausforderungen heute überdecken aber kräftig, wie es anderen geht: Obdachlosen direkt in unserer Stadt, Menschen in anderen Krisenfällen –man denke nur an jene, die in einem Flüchtlingslager an der EU-Außengrenze dahinvegetieren, in Syrien täglich neue Bombenangriffe befürchten oder in einem Slum im Süden unserer Welt ums tägliche Essen kämpfen –wenn dort Corona ausbricht, hat das nochmals drastisch brutalere Folgen.

Auch in der Krise spaltet sich die Welt.

Und in all dem wäre es wirklich eine grauenhafte Idee: Dass durch den Tod das Unheil einzementiert und auf ewig fixiert und besiegelt würde, dass nichts mehr gut zu machen ist.

Da halte ich mich schon lieber an die Worte des Mannes aus Nazareth: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben!“ (Johannesevangelium, Kap. 11, ab Vers 25)

Da traue ich lieber diesem Gott, der selbst menschliches Schicksal kennt, es selbst erlebt, sich weinend den um ihren Bruder Lazarus trauernden Schwestern zur Seite setzt –uns zur Seite ist bis in den Tod. Wo Gott zeigt, dass er auch im Tod nicht hängen lässt, sondern zu einer Vollendung des Lebens ruft.

Doch dies sicher nicht als billige Vertröstung auf ein „Leben danach“! Im tiefen Vertrauen, für immer in der Hand Gottes zu sein, ja selbst im Tod nicht auf ewig alles zu verlieren, kann ich auch viel entkrampfter leben: ohne Druck, alles jetzt und hier erleben zu müssen, notfalls auf Kosten der anderen. Ich kann in einer völlig neuen Freude und Lebendigkeit mein Leben gestalten. Aus der Zuversicht, nicht auf Tod, sondern auf’s Leben angelegt zu sein, beginnt diese Auferstehung schon hier – mitten in diesem Leben. Ostern und Auferstehung ereignen sich heute!

Adolph Kolping hat gesagt: „Die Auferstehung des Herrn hat die Menschen umgewandelt und dem irdischen Leben eine neue Richtung und Bedeutung gegeben!“. Ostern – wir dürfen mit dem Auferstandenen der Perspektive „Leben“ nachgehen!

 

Gesegnete Ostern – und viel Erfahrung des Lebens wünscht Euch

Gerald Gump, Bundespräses

 

 

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