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Heimat, Bildung, Glaube

Interview mit dem neuen Generalpräses Msgr. Christoph Huber

Als 10. Nachfolger Adolph Kolpings möchte Christoph Huber vor allem die Gemeinschaft stärken und auf die Zeit nach Corona schauen. Wir dokumentieren ein Interview mit dem neuen Generalpräses des Int. Kolpingwerks mit domradio.de anlässlich seiner Amtseinführung am 4. Dezember.

DOMRADIO.DE: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl zum Generalpräses des Internationalen Kolpingwerkes! Sie sind jetzt der zehnte Nachfolger des seligen Adolph Kolping: Was bedeutet das für Sie?

Msgr. Christoph Huber: Das ist eine sehr große Ehre, dass andere mit zutrauen, dieser großen Figur nachzufolgen, an ihm ein Beispiel zu nehmen und im Alltag so zu sein wie er. Das ist eine Herausforderung, aber von Herausforderungen lebt man.

DOMRADIO.DE: Adolph Kolping lebte im 19. Jahrhundert, er sah die Not der Menschen in der beginnenden Industrialisierung und kümmerte sich vor allem um die Arbeiter und Geselle. Was an seinen Botschaften ist für Sie heute noch aktuell?

Huber: Ich glaube, die Rezepte, die er vor über 150 Jahren bei der sozialen Not angewandt hat, sind heute noch die gleichen: Er hat die Menschen zusammengebracht und bestärkt. Er bot ihnen Heimat, Bildung und bestärkte sie im Glauben an sich selbst und an Gott. Und damit wurden die Menschen befähigt, ihre Situation zu bewältigen. Ich denke, das ist heute noch der Schlüssel zur Lösung von sozialen Problemen.

DOMRADIO.DE: In dieser Woche hat das Kolpingwerk den 30. Jahrestag der Seligsprechung seines Verbandsgründers Adolph Kolping gefeiert. Viele Mitglieder rund um den Globus wünschen sich eine baldige Heiligsprechung. Was ist der Stand der Dinge in diesem Prozess und wie wollen Sie diesen als neuer Generalpräses beschleunigen?

Huber: Stand der Dinge ist, dass derzeit noch das dritte medizinische Wunder noch fehlt und wir weltweit danach suchen. Wir wollen aber gleichzeitig versuchen, den Papst von einer Dispens überzeugen: Das hieße, dass er auf das dritte Wunder verzichtet und ihn trotzdem heiligspricht. Wir glauben, dass das Vorbild Adolph Kolpings so groß ist, dass man nicht unbedingt ein naturwissenschaftliches Wunder braucht, um die Heiligkeit zu bestätigen.

DOMRADIO.DE: Warum ist dem Kolpingwerk die Heiligsprechung so wichtig?

Huber: Das weltweite Bedeutung wäre riesig, weil gerade unsere Mitglieder in anderen Kontinenten sich bestätigt fühlen würden. Es wäre eine Anerkennung, dass sie auch dazu gehören, dass sie ihn genauso verehren dürfen wie alle anderen. Es wäre für sie eine große Ehre und ein großer Zuspruch.

DOMRADIO.DE: Sie sind für zehn Jahre zum Generalpräses gewählt, was haben Sie sich für ihre Amtszeit vorgenommen?

Huber: Ich möchte die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen, die beim Kolpingwerk so wichtig ist und aus der heraus wir Projekte organisieren und das soziale Zusammenleben verbessern. Das wäre mir ganz wichtig. Und eine große Herausforderung ist natürlich, dass wir auf die Zeit nach Corona schauen, wie es in den Ländern der Einen Welt weitergeht. Wenn wir weltweit eng zusammenstehen, führt uns Adolph Kolping in eine gute Zukunft. Davon bin ich überzeugt.

DOMRADIO.DE: Worauf freuen Sie sich am meisten in ihrem neuen Amt?

Huber: Auf die Begegnung mit der Unterschiedlichkeit, wie sich im Kolpingleben ausprägt in den unterschiedlichen Nationen und Kulturen, das wird sicher das Spannendste.

DOMRADIO.DE: Sie sind waschechter Bayer: In Reit im Winkl geboren und aufgewachsen, sie haben in München studiert und waren zuletzt Landespräses im Kolpingwerk Bayern. Jetzt ziehen Sie ins Rheinland – wie groß ist der Kulturschock?

Huber Das geht schon, weil ich meine Ferien immer bei meinen Großeltern in Düsseldorf-Oberkassel verbracht habe. Dahin sind meine Großeltern nach dem Krieg von Eberswalde nach Düsseldorf geflohen und meine Mutter ist dort aufgewachsen. Ich habe also diese Kultur schon ein bisschen als Kind kennengelernt, aber den Karneval kenne ich noch nicht, weil wir immer nur Ostern hier waren.

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