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Nach der Wende

Der Fall des „Eisernen Vorhangs“ und seine Folgen: Kolping-Diözesanverband Wien widmet sich der Zeitgeschichte.

Der Fall des „Eisernen Vorhangs“ und seine Folgen: Kolping-Diözesanverband Wien widmet sich der Zeitgeschichte.

30 Jahre sind vergangen, seit der „Eiserne Vorhang“, der Europa zuvor in zwei Hälften teilte, „gefallen“ ist bzw. dem Erdboden gleichgemacht wurde mit Bolzenschneidern und Baggern. Den runden Jahrestag nahm der Kolping-Diözesanverband zum Anlass, in die Epoche vor der „Wende“ zurückzublicken und auch die Entwicklungen in einigen osteuropäischen Ländern seit damals nachzuzeichnen.

Prominente Zeitzeugen bei einer Abendveranstaltung am 20. November im Kolpinghaus Währing waren der aus der Ukraine gebürtige Wiener Diözesanpräses Lyuboyr Dutka und der aus Rumänien stammende Priester Jerôme Circeu, der als Pfarrmoderator im Weinviertel tätig ist. Beide zeichneten ein bedrückendes Bild ihrer Heimatländer in der Zeit des Kommunismus, die von einem Klima der Unterdrückung und Bespitzelung geprägt war; Kinder wurden in der Schule über ihre Eltern ausgefragt, die Religionsausübung war stark eingeschränkt bzw. musste, in der Ukraine noch mehr als in Rumänien, heimlich erfolgen: Wenn Kinder getauft oder Messen gefeiert wurden, zog man die Vorhänge zu und hoffte, dass kein Außenstehender Verdacht schöpfte.

Berührende Beiträge über die Zeit nach 1989 kamen – auf schriftlichem Wege – von Ingrid Arvay, Projektreferentin von Kolping Rumänien, und Katharina Iajgunovici, der Vorsitzenden der Kolpingsamilie Chisinau in Moldawien. Die Erwartungen, die viele Menschen im europäischen Osten mit der Umwälzung der politischen Verhältnisse verbunden hätten, seien nur zum Teil erfüllt worden, stellen beide fest. Armut und soziale Probleme würden bei vielen, vor allem älteren Menschen, sogar falsche Nostalgie nach der „alten Zeit“ aufkommen lassen.

Als Stütze und Hoffnungsanker bezeichnen beide die Präsenz von Kolping in ihren Ländern, die im Kern auf das Engagement des verstorbenen Präses der Kolpingsfamilie Wien-Zentral und des Diözesanverbandes Wien Alfred Weiss zurückgeht. Rumänien gehört heute mit aktuell 77 Vereinen zu den größeren Kolpingverbänden in Europa und ist, u.a. mit einem Integrationszentrum für Menschen mit Behinderungen, einem Bildungszentrum für benachteiligte Kinder und einem Ausbildungshotel für Tourismusberufe auch im sozialen Bereich sehr aktiv.

In Moldawien, dem ärmsten Land unseres Kontinents, wird die Kolpingfahne von einigen Familien in der Hauptstadt Chisinau hochgehalten; obwohl klein an der Zahl, hat die Kolpingbewegung hier seit ihrer Gründung vor genau 25 Jahren einen beeindruckenden Aktionsradius entwickelt: So etwa gibt es Ausbildungskurse für Näherinnen und Kochkurse für Kinder, es werden Essenslieferungen für alte Menschen und Weihnachtsaktionen für bedürftige Familien organisiert, ebenso Sommerlager und ein Ziegenzuchtprojekt, letzteres in enger Kooperation mit der Vorarlberger Kolpingsfamilie Bezau.

Wie fasst Ingrid Arvay aus Rumänien ihr Statement zusammen? – „Es sind viele Wunder Gottes geschehen in den vergangenen Jahren – in unserem Land, in Europa, in den Kolpingsfamilien und auch im eigenen Leben. Und das größte Wunder sehe ich in den vielen gelungenen Begegnungen von Mensch zu Mensch, ob sie aus dem Osten stammen oder aus dem Westen; und das wäre vor der Wende niemals möglich gewesen.“

Viel Stoff zum Nachdenken und Nachbesprechen für die rund 40 TeilnehmerInnen des Kolping-Abends in Währing, der bei einem Buffet und Getränken erst kurz vor Mitternacht ausklang.

 

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