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Paare im Corona-Stress

Beziehungs-Tipps in der aktuellen Situation vom Leiter der Kolping-Lebensberatungsstellen Matthias Geitzenauer

Beziehungs-Tipps in der aktuellen Situation vom Leiter der Kolping-Lebensberatungsstellen Matthias Geitzenauer

Corona hat für viele von uns die Stopp-Taste gedrückt. Die gewohnten Abläufe haben Pause. Wir sind reduziert auf unsere Wohnungen und auf die Menschen, mit denen wir sie teilen. Wenn Menschen zu zweit zusammenleben, ist es überhaupt nur diese eine Beziehung, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Alle Schwächen, die wir im Gegenüber sehen, begleiten uns nun den ganzen Tag, sieben Tage pro Woche.

Matthias Geitzenauer, Berater, Coach, Mediator und Leiter der Kolping Lebensberatung: „An unseren Telefonen stellen wir vermehrt Bedarf an Paarberatungen fest. Die Themen sind meist die gleichen, wie sie sich in Beziehungen sonst auch stellen – unterschiedliche Vorstellungen von Kindererziehung, Haushaltsführung, Gestaltung des Alltags oder der Beziehung selbst. Nur: Ausweichen geht jetzt nicht! Das stelle die Beziehungen auf eine harte Probe, biete aber auch die Chance, an der derzeitigen Krise zu reifen.

Und wie kann es gelingen, dass die Corona-Krise zur Chance für die Beziehung wird? Matthias Geitzenauer hat einige förderliche Dinge, die man tun kann, zusammengestellt:

  • Rückzug und Selbstwahrnehmung: Wo besteht eine Möglichkeit, sich vorübergehend aus der Beziehung zurückzuziehen, eine Pause von allen anderen Menschen zu haben, für sich ganz alleine sein? Vielleicht ist es ein Tagebuch, dem Sie über sich selbst erzählen und das niemand anderer liest. Vielleicht besteht jetzt die Möglichkeit, sich an den einen oder anderen Traum der letzten Nacht zu erinnern, ihn aufzuschreiben und auch die spontanen Ideen, die Ihnen dazu einfallen. Manche wiederum können sich selbst in der Bewegung, beim Spaziergang oder beim Laufen am besten wahrnehmen. Hat ein Ärger wirklich nur mit der/dem Partner/in zu tun oder auch mit mir? Spielt da nicht auch ganz was anderes mit?
  • Selbstfürsorge: Das eigene Wohlbefinden ist eine wichtige Voraussetzung, um sich auch mit anderen wohl zu fühlen. Vielleicht ist da auch noch die eine oder andere Idee, wie es möglich ist, sich in dieser eingeengten Situation etwas besonders Gutes zu tun. Ein Buch, ein Bad, ein paar warme Sonnenstrahlen im Gesicht…
  • Bessere Chancen für ein gelungenes Gespräch: Erst der nächste Schritt ist dann der Kontakt mit anderen. Dabei ist es wichtig, auf eine passende Atmosphäre zu achten. In den meisten Beziehungen bestehen Erfahrungswerte, unter welchen Umständen Gespräche am ehesten gut gelingen.
  • Zuhören und verstehen: Gerade jetzt ist es möglich, die Ziele des Gespräches klein anzusetzen. Außerhalb der Corona-Zeit müssen wir Entscheidungen treffen, oft auch schnell. Jetzt haben wir aber die Chance, unserem Gegenüber einfach nur zuzuhören –um zu verstehen. Für viele Probleme brauchen wir ja nicht gleich eine Lösung. So, wie wir im ersten Schritt uns selbst wahrgenommen haben, können wir das nun auch mit unserem Partner/unserer Partnerin tun.
  • Was beibehalten, was verändern? Gelingt das wechselseitige Verstehen, entsteht ein neuer, gemeinsamer Ideenraum. Da taucht dann ganz von selbst so mache kleine, gemeinsame Lösung auf. Oder eine schon bekannte Lösung bekommt neuen Sinn. Vielleicht gelingt es nun zu verstehen, wozu es gut ist, dass die/der Partner/in immer genau das tut, was die/den anderen so ärgert. Nicht zuletzt besteht in dieser besonderen Zeit auch die Möglichkeit, dass etwas in der Beziehung ganz besonders gut gelingt. Vergessen Sie nicht, auch darauf zu achten.
  • Tolerant sein: Nachsicht sich selbst und den anderen gegenüber kann jetzt notwendiger sein als sonst.
  • Hilfe holen: Wenn sich aber die Probleme beginnen im Kreis zu drehen, besteht die Möglichkeit, sich Hilfe von außen zu holen. Zum Beispiel durch ein entlastendes Telefongespräch mit einem Profi in einer der Familien- und Lebensberatungsstellen von Kolping Österreich.

 

Zur Person:

Matthias Geitzenauer, MBA, ist diplomierter Sozialarbeiter. Er war mehr als 20 Jahre in der Beratung tätig, zehn Jahre davon in leitender Funktion: In der Arbeitsassistenz unterstützte er Menschen mit psychischer Erkrankung und deren Arbeitgeber, in der Familienberatung lag einer seiner Schwerpunkte im Bereich Männerberatung. In seiner Praxis arbeitet er als Supervisor, Coach und Mediator. Zur Ergänzung seiner beruflichen Aufgaben absolvierte er unter anderem die Ausbildung zum Mediator und ein Studium in NPO-Management an der WU Wien. Derzeit befindet er sich im psychotherapeutischen Fachspezifikum „Analytische Psychologie“ an der ÖGAP. Herr Geitzenauer ist verheiratet und Vater zweier studierender Kinder.

Seit 1. April 2020 ist Herr Geitzenauer Gesamtleiter der Kolping-Lebensberatungsstellen in Wien.

 

 

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