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Bildungsarbeit

Bei Kolping verstehen wir unter Bildung eine lebenslange Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich entfalten können und der Mensch eine selbständige, lebenstüchtige und solidarische Persönlichkeit werden kann.

Eine solche Art Bildung, die gleichermaßen Kopf wie Herz anspricht, ist an Gemeinschaft geknüpft: Die Art und Weise, wie junge Leute in unseren Kolpinghäusern zusammenleben, wie sie miteinander umgehen, was sie voneinander lernen, was sie füreinander tun, prägt ihre Einstellung zur Gestaltung ihres späteren persönlichen und gesellschaftlichen Leben. Werte wie Solidarität, Zivilcourage, Verantwortung für den Schwächeren werden in unseren Häusern im täglichen Leben erfahren und können so in geschütztem Rahmen – wie in einer Familie – eingeübt werden.

Abgesehen vom Bildungsgeschehen in unseren Häusern nehmen wir viele Gelegenheiten wahr, um allen Mitgliedern, MitarbeiterInnen und Interessierten ein qualitativ hochwertige Weiterbildungsmöglichkeiten zu bieten. Ein Beispiel dafür ist unser Weiterbildungsangebot für Ehrenamtliche und Hauptamtliche bei Kolping, wie auch für alle Interessierten Kolping bildet. Ein weiterer Schwerpunkt der Bildungsarbeit von Kolping sind unsere Bildungskonferenzen, unsere Weiterbildungsangebote für hauptamtliche MitarbeiterInnen, die Bildungsangebote von Kolping auf europäischer Ebene sowie die vielen Bildungsveranstaltungen, die dezentral in den Kolpingsfamilien angeboten werden.

Für Kolping als Verband ist es wichtig, immer vor Augen zu haben, worum es eigentlich geht, wenn wir unsere Arbeit tun. Auf dem Weg durch die Zeit stellen wir uns neuen Herausforderungen und erweitern stets unseren Tätigkeitsbereich; dazu gehört zum einen, nicht an alten Dingen zu klammern, die eine gesunde Entwicklung aufhalten, doch ist es ebenso bedeutsam, den Prozess des Weiterwachsens nicht beliebig zu steuern, sondern in Rückbindung an unsere Wurzeln. Und dieser „Wurzelgrund“ ist bei uns immer der Mensch: der Mensch, der „etwas davon haben muss“, dass es Kolping gibt. Nicht das Haus steht im Vordergrund, nicht die Organisation, nicht das Geld, sondern es zählt der Mensch. An seinen Nöten hat sich auszurichten, wie unsere Arbeit und damit auch unsere Organisation sich wandelt.

Um diesen Nachdenkprozess strategisch zu steuern, hat der Bundesverband in den letzten Jahren Bildungskonferenzen angeboten, auf denen die Führungskräfte unseres Verbandes wesentliche Weichenstellungen vorgenommen haben und gemeinsam darum gerungen haben, die Gesamtzusammenhänge unserer Arbeit deutlicher zu erfassen. Die Impulse dieser Tagungen wurden in Form von Broschüren unter dem Titel „Bausteine“ zusammengefasst, mit denen man ganz konkret in den Kolpingsfamilien weiterarbeiten kann.

Vernetzungsmöglichkeiten für Kolpingfreunde aus allen Teilen unseres Kontinents, vor allem für die Jugend, bieten verschiedene Bildungsveranstaltungen auf europäischer Ebene. Dazu gehören vor allem die einwöchigen „Europaseminare“ in Straßburg, die in den vergangenen 33 Jahren jeweils im Frühling stattfanden und den TeilnehmerInnen einen erstklassigen Einblick in die Funktion und Arbeitsweise der EU-Institutionen ermöglichten. Organisiert und geleitet vom österreichischen Europareferenten des Int. Kolpingwerkes, Reg.Rat Anton Salesny, erfreuten sich diese Veranstaltung größter Beliebtheit und fanden auch die Anerkennung höchster Repräsentanten der EU. Nach dem Rückzug Anton Salesnys arbeiten die Zuständigen des Europäischen Kolpingwerkes derzeit an einer Neukonzeptionierung des „Europaseminars“.

In unregelmäßigen Abständen wird von der europ. Kolpingjugend eine „Jugendpolitische Praxiswoche“ angeboten. Grundidee dieser Veranstaltung ist es, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, eine/n Abgeordnete/n des Europ. Parlaments ein paar Tage lang zu begleiten und ihm/ihr bei der Arbeit „über die Schulter“ zu blicken.

Jährlich im Sommer findet ein „Euro-Jugendlager“ statt, jeweils in einem anderen Gastgeberland.

„Wer Mut hat, macht Mut!“ – unter diesem Motto, das zugleich eines der berühmtesten Zitate Adolph Kolpings aufnimmt, fand am 17. Oktober 2015 in Wien ein bundesweiter „Kolpingtag“ statt. Rund 200 Mitglieder und Freunde des Sozialverbandes fanden sich dazu im Kolpinghaus „Gemeinsam leben“ in Wien-Favoriten ein.

Auf dem Programm standen im ersten Teil des Kolpingtages drei Impulsreferate:
(1) Magdalena Holztrattner (Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs | ksoe):
„Welchem Gott dienen wir? Konsequenzen aus dem Glauben für unser soziales Handeln."

(2) Martin Schenk (Sozialexperte und Mitglied im Koordinationsteam der Armutskonferenz)
„Vom Geschmack des Vertrauens: Spielregeln für eine Zukunft mit weniger Armut.“

(3) Hubert Tintelott (Ehem. Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes)
„Unterwegs zu einer gerechten Weltgesellschaft: Soziale Schwerpunkte der internationalen Kolpingarbeit.“

Am Nachmittag nahmen die Teilnehmerinnen in sieben Workshops die konkreten sozialen Bereiche in den Blick, in denen solidarische Praxis heute besonders gefragt und geboten ist – vom Thema „Jugend und Arbeit“ über die Frage „Umgang mit Alter und Demenz“ bis hin zur derzeit wohl drängendsten Herausforderung: Unterstützung für Flüchtlinge und Hilfestellungen zu deren Integration.

Abschließend appellierte Kolping-Präsidentin Christine Leopold, am Vortag einstimmig für eine weitere Amtszeit wiedergewählt, an die Teilnehmer und Delegierten, im Gedenken an die Ziele Adolph Kolping den Blick auf jene Menschen zu richten, die heute und in absehbarer Zukunft die Unterstützung des Kolpingverbandes benötigen – so wie es damals, als Kolping lebte und wirkte, bei den Handwerksgesellen der Fall war.

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