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Dem Frieden eine Chance!

Bildungskonferenz von Kolping Österreich suchte aus Anlass des Ukraine-Krieges nach Voraussetzungen und Wegen eines versöhnten Miteinanders in der Gesellschaft

© Kolping Österreich

„Selig, die Frieden stiften! – aber wie?“ Dieser Frage widmeten sich rund einhundert Führungskräfte des Kolpingverbandes im Rahmen einer Bildungskonferenz am 8./9. Oktober in Linz. Dass der Friede ständig bedroht sei, habe der russische Angriff auf die Ukraine in dramatischer Weise deutlich gemacht, lautete der Ausgangspunkt, von dem her zunächst die Ursachen für diesen Krieg und andere Bedrohungen unserer Weltordnung in den Blick genommen wurden und sodann gefragt wurde, unter welchen Voraussetzungen ein versöhntes Miteinander der Menschen möglich sei.

Hauptreferent Hans Karl Peterlini, Erziehungswissenschafter an der Uni Klagenfurt und Friedensforscher, u.a. im Rahmen der UNESCO, ging in seinem Eröffnungsreferat den „Bedingungen der Möglichkeit“ von Frieden nach: solidarisches Handeln anstelle nationaler Egoismen und Engagement für das Überleben unseres „Heimatlandes Erde“. Die Alternative zum Krieg, hielt er fest, liege in einer Weltordnung, die sich zu Gerechtigkeit auf allen Ebenen durchringt: zu sozialem Ausgleich, ökonomischer Partnerschaft, ethnokultureller Fairness und ökologischer Balance. Dieser Vision stehe jedoch eine grundlegende Tendenz des Menschen entgegen, die Wirklichkeit als gleichsam zweigeteilt wahrzunehmen: sich selbst und die eigene Gruppe oder Nation als abgetrennt von anderen. Diese Dichotomie gälte es zu überwinden.

Als zweiter Impulsreferent widmete sich Peter Ruggenthaler, Stv. Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung, den Ursachen des Angriffs Russlands auf die Ukraine und stellte mögliche Optionen der weiteren Entwicklung dieses Konflikts dar; viele davon seien äußerst beunruhigend, jedoch erinnerte der Zeithistoriker daran, dass jede Krise, und sei sie noch so gefährlich, sich doch zum Guten wenden könne – „daran sollen wir glauben, das sollen wir hoffen und dazu sollen wir auch unseren Beitrag leisten“, so Ruggenthaler.

Kolping-Generalpräses Christoph Huber verortete in seinem Beitrag die Ursache von Krieg und Gewalt in der Selbstbezogenheit des Menschen, wovon die Texte der Bibel vielfach Zeugnis gäben, quasi von Anbeginn der Zeit, nehme man den Brudermord Kains an Abel als Beispiel. Der Kolpingverband versuche, in einer von Unfrieden und ungerechten Verhältnissen geprägten Welt Menschen zu stärken: „Dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen und dann wiederum jenen anderen helfen können, die ihren Platz ebenfalls verloren haben; so werden alle zu einer Gemeinschaft, die den Glauben wiederfindet – an sich selbst und auch im umfassenden Sinne!“

In einer anschließenden Podiumsdiskussion kam auch die Politikwissenschaftlerin Martina Handler zu Wort, die die Bedeutung des Zuhörens hervorhob, um auch in komplexen Konflikten schrittweise zu einer Lösung zu gelangen – wie dies beispielsweise beim „Klimarat der Bürgerinnen und Bürger“ im Frühjahr, den sie mitmoderiert hatte, gelungen ist. Besonders berührend der Beitrag des Pfarrers der Griechisch-Katholischen Pfarre St. Barbara und der ukrainischen Gemeinde in Wien Taras Chagala, der auf das abgrundtief Böse verwies, welches der Krieg im Menschen hervorbringe, aber auch auf das Gute, das viele gerade unter solchen extremen Umständen zu leisten imstande seien. Zuletzt betonte er die Bedeutung der Hoffnung: „Menschen gerade im Krieg Hoffnung zu geben, dadurch, dass man Zeichen der Solidarität und Hilfe setzt, ist das wichtigste!“

Im Vorfeld der Bildungsveranstaltung wurde auch die diesjährige Bundeskonferenz von Kolping Österreich abgehalten, in deren Rahmen drei führende Funktionäre des Verbandes wiedergewählt wurden: Bundespräses Gerald Gump, Vizepräsident Reinhold Lexer und Bundesjugendleiter Benjamin Purner.

Den Abschluss der Tagung bildete die Feier des 170-Jahr-Jubiläums der Kolpingsfamilie Linz mit einem Gottesdienst im „Mariendom“ unter der Leitung von Bischof Manfred Scheuer und unter Anwesenheit von Landeshauptmann Thomas Stelzer und dem Linzer Altbischof Maximilian Aichern, gefolgt von einem Festakt im Kolpinghaus. Die Kolpingsfamilie Linz war im Jahre 1852 als einer von fünf Kolpingvereinen in Österreich von Adolph Kolping persönlich gegründet worden, das Linzer Kolpinghaus gilt als das älteste der Welt. Gleichzeitig feierte der Kolpingchor Linz sein 130-jähriges Bestehen. Kolping-Präsidentin Christine Leopold dankte allen Mitgliedern und Funktionären und äußerte als Geburtstagswunsch, dass es ihnen weiterhin gelingen möge, die Zeichen der Zeit zu erkennen und entsprechende Antworten zu geben.

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