Für deutliche Worte ist der langjähriger Abgeordnete und ehem. Vizepräsident des Europäischen Parlaments Othmar Karas bekannt, und auch bei einem „Vortrag unter Freunden“ am 28. Jänner im Kolpinghaus Wien-Währing formulierte der Vollblut-Politiker, nunmehr als Präsident des Europ. Forums Alpbach tätig, klare Botschaften. Zunächst, was die weltanschauliche Verortung seiner Tätigkeit betrifft, die er mit den Begriffen „weltoffen“ und „christdemokratisch“ beschreibt sowie „aufbauend auf den Grundprinzipien der Katholischen Soziallehre“. Von daher gehe es ihm darum, in allem politischen Handeln „Respekt vor der Würde des Menschen, und zwar aller Menschen“ zu zeigen und sich stets um das Miteinander zu bemühen, denn Probleme zu lösen, das sei nur gemeinsam möglich.
Als Wurzel seines Engagements, das ihn bis ins Zentrum der europäischen Politik geführt hat, nennt er ein Motiv, das auch Adolph Kolping einst ähnlich formuliert hat: „Ich mag Menschen, ich übernehme gerne Verantwortung, und es liegt mir am Herzen, was in unserer Umgebung passiert.“ Eine Umgebung freilich, in der in letzter Zeit manch bedenkliche Entwicklung festzustellen sei: fortschreitende Polarisierung und das Schüren und Instrumentalisieren der Sorgen und Ängste der Menschen durch einige Akteure. „Wir waren schon viel offener, solidarischer und mehr der Zukunft zugewandt, als dies heute der Fall ist“, erinnerte Karas an Zeiten, in denen die politische Mitte stärker gewesen sei und die politischen Ränder nicht die Debatte bestimmt hätten.
Diese Mitte näher zu bestimmen und sie nicht als Schlagwort quasi im Raum stehen zu lassen, widmete er sich im Hauptteil seiner Ausführungen: Die Orientierung an Lösungen zeichne diese Haltung aus, der Respekt für den anderen, die Anerkennung der Menschenwürde und der Menschenrechte sowie die Offenheit für einen Partei-übergreifenden Grundkonsens; und selbstverständlich pro-europäisch müssten jene sein, die sich als Vertreter*innen der politischen Mitte bezeichnen. „Das Hinhauen auf Europa, das Hochziehen nationaler Grenzen kann niemals die Antwort auf die Herausforderungen sein, denen wir heute gegenüberstehen“, hielt Karas fest; Klimawandel, KI, Pandemien, Zuwanderung – all dies mache an Grenzzäunen nicht halt, daher sei der überall aufkeimende Nationalismus keine Lösung für die Fragen unserer Zeit.
Fazit des Politikers: „Ich glaube, dass es ernst ist, aber nicht hoffnungslos, und dass es machbar ist, die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern.“ Klinge sehr nach dem berühmten, jedoch umstrittenen Satz der früheren deutschen Kanzlerin Angela Merkel, „Wir schaffen das!“, wirft jemand aus dem Publikum ein. „Wenn ein Politiker sich den Krisen seiner Zeit nicht stellen will, soll er heimgehen“, kontert Karas. Es brauche diesen Ansatz: „Wir wollen das schaffen, wir trauen es uns zu, wir zeigen nicht mit dem Finger auf andere und geben ihnen die Schuld für alle Probleme, sondern wir nehmen die Hände aus dem Schoß und packen gemeinsam an.“ Manch einer, der wohl auch hier deutliche Kolping-Anklänge entdecken kann …







