Frauen. Viele davon mit einer Flucht-Biographie und wenig formaler Bildung: Für Martina Schuster, Mitarbeiterin des Kolping-Projekts „chance2work“, in dem Menschen ohne Arbeitsplatz in den Jobmarkt integriert werden, ist klar, welche Gruppe unserer Gesellschaft besonders häufig von Armut betroffen ist. „Zunächst einmal versuchen sie, unsere Sprache zu lernen, dann heiraten sie, bekommen Kinder. Wenn die Ehe nicht glücklich verläuft und sie sich trennen, sitzen sie in der Falle. Sie wollen erwerbstätig sein, kommen aber nicht an Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder. Ein Konglomerat an Problemen, aus dem es nicht leicht einen Ausweg gibt.“
Wenn man zwar eine Wohnung hat, diese aber kaum warmhalten kann; wenn man es sich nicht leisten kann, Freunde zum Essen einzuladen, ein kaputter Kühlschrank nicht repariert wird, weil das Geld dafür fehlt – wenn solche Dinge mehrfach zutreffen, gilt man in Österreich als armutsgefährdet oder arm. Auch im Jahr 2026 sind davon weit mehr Frauen als Männer betroffen, wie wir in unserer Arbeit immer wieder feststellen: Weil in unserer Gesellschaft nach wie vor Frauen – und nicht die Männer – hauptsächlich sie für Kindererziehung, Altenpflege und Haushaltsführung zuständig sind; dies schlägt sich in geringeren Einkommen und vor allem niedrigen Pensionen nieder, und dies bei steigenden Kosten, v.a. für Wohnen, Lebensmittel und Energie.
Auch wenn Zugewanderte, darunter viele, die sich auf Deutsch nicht gut verständigen können, ein besonders hohes Armutsrisiko haben, sollte sich kaum jemand in völliger Sicherheit wiegen: Armut kann jeden – und vor allem: jede – treffen, wie Olivia Obsil, Sozialarbeiterin in unserem Projekt „WohnZukunft“, in dem Wohnungs- und Obdachlose betreut und unterstützt werden, zu berichten weiß, „dann nämlich, wenn es zu Krisen kommt.“ Der plötzliche Verlust des Arbeitsplatzes, Scheidung, eine Erkrankung, psychische Probleme, eine Sucht, die außer Kontrolle gerät – all das seien Gründe, warum immer wieder auch Menschen, die sich in der „Mitte“ der Gesellschaft wähnten, auf der Straße landen.
Die meisten der Menschen, die bei Kolping auf ihrem Weg aus der Armut unterstützt werden, seien durch Umstände wie die oben genannten in ihre Situation gekommen und nicht, weil sie sich in die, immer wieder in Debatten ins Treffen geführte „soziale Hängematte“ legen wollten – darin sind sich die Kolping-Expertinnen im Frauen- und Sozialreferat einig. Statt von einer „Hängematte“ solle man besser vom „Sozialnetz“ sprechen, merken sie an; ein Netz, das wir alle nutzen: Wenn wir krank werden, im Alter, wenn wir durch einen Unfall oder aus anderen Gründen aus dem Erwerbsleben gerissen werden.
Die Sicherheit, dass man aufgefangen wird in solchen Fällen, macht einen starken Sozialstaat aus, der letztlich allen zugute kommt.
Zum Weiterlesen:
„Bald ohne Netz?“ - Titelstory der Kolping-Zeitschrift „imPULS“ zu Lage und Zukunft des Sozialstaats in Österreich
Ergänzende Informationen:
Info-Grafik zum Weltfrauentag vom Team des Kolpinghauses „Gemeinsam leben“ Wien-Favoriten

